03 März 2026
Zeit: 18:15  - 19:45

Ort: eikones Forum, Rheinsprung 11, 4051 Basel

Veranstalter: Philosophische Gesellschaft Basel

Vortragsreihe / Ringvorlesung

«Public Philosophy – Philosophie und Öffentlichkeit» - Vortrag der Philosophischen Gesellschaft FS26

«Öffentlichkeit als institutionelle Vermittlung: Hegel und Marx zur öffentlichen Sphäre» - Pablo Pulgar Moya (San Diego Portales, Santiago, Chile)

Dieser Beitrag untersucht den Begriff der Öffentlichkeit als institutionelle Vermittlung zwischen bürgerlicher Gesellschaft und Staat im Rahmen einer vergleichenden Lektüre von Hegel und Marx. Ausgehend von Hegels Konzeption der Öffentlichkeit in den Grundlinien der Philosophie des Rechts wird analysiert, inwiefern die öffentliche Sphäre als vermittelnde Instanz zwischen besonderen Interessen und politischer Allgemeinheit fungiert und welche Spannungen ihrem institutionellen Status innewohnen. Die frühe Auseinandersetzung von Marx mit diesem begrifflichen Rahmen erlaubt eine entscheidende Verschiebung des hegelschen Modells, insofern die Öffentlichkeit in die bürgerliche Gesellschaft verlagert und mit der Problematik politischer Selbstorganisation und sozialer Repräsentation verknüpft wird. Ziel des Beitrags ist es, die öffentliche Sphäre als einen privilegierten Ort sichtbar zu machen, an dem sowohl Kontinuitäten als auch Brüche zwischen Hegel und Marx im Hinblick auf das Verhältnis von Gesellschaft und Staat deutlich werden.

In diesem Beitrag wird gezeigt, dass

  1. die Öffentlichkeit bei Hegel eine notwendige Funktion als institutionelle Vermittlung zwischen bürgerlicher Gesellschaft und Staat erfüllt, jedoch der Verwirklichung der rationalen Allgemeinheit in den staatlichen Institutionen untergeordnet bleibt;

  2. die Öffentlichkeit im frühen Marx als eine der bürgerlichen Gesellschaft immanente Vermittlung — insbesondere in Gestalt der Presse — konzipiert wird, die private soziale Interessen artikuliert und konfrontiert und damit die behauptete Äußerlichkeit des Staates gegenüber der Gesellschaft in Frage stellt;

  3. diese Verschiebung den historisch bedingten Charakter der Öffentlichkeit sichtbar macht und zugleich die Grenzen ihrer politischen Wirksamkeit antizipiert, Grenzen, die Marx schließlich zu einer radikaleren Kritik der modernen Trennung von Gesellschaft und Staat führen.

Durch die Rekonstruktion dieses begrifflichen Verlaufs leistet der Beitrag einen Beitrag zu einem kritischen Verständnis der Öffentlichkeit als einer historisch spezifischen Form institutioneller Vermittlung, die in der hegelschen Problematik des Verhältnisses von bürgerlicher Gesellschaft und Staat wurzelt und von Marx im Rahmen seiner frühen Kritik der politischen Abstraktion weitergeführt wird, anstatt als normativ selbstgenügsamer Raum politischer Rationalität verstanden zu werden


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