Zweck der Philosophischen Gesellschaft
Die Philosophische Gesellschaft Basel ist zum Zwecke der Pflege der Philosophie und des philosophischen Gedankenaustausches gegründet worden. Sie gehört, als eine ihrer kantonalen Sektionen, der Schweizerischen Philosophischen Gesellschaft an. Sie veranstaltet Vorträge und Symposien nicht nur zu klassischen Themen der Philosophie, sondern auch zu gegenwartsbezogenen Fragen.
Beitritt
Die Mitgliedschaft steht allen philosophisch Interessierten offen. Der Jahresbeitrag beträgt zur Zeit CHF 50.00 beziehungsweise CHF 15.00 für Studierende, Schüler:innen und Lehrlinge. Diese werden gebeten, eine Kopie ihres jeweiligen Legitimationsausweises beizulegen. Mitglieder erhalten zu allen Vorträgen eine briefliche oder elektronische Einladung, sie können an der jährlichen Generalversammlung teilnehmen und sie gehören automatisch auch der Schweizerischen Philosophischen Gesellschaft an.
Falls Sie der Philosophischen Gesellschaft Basel beitreten möchten, laden Sie bitte das Beitrittsformular herunter, füllen es aus und senden es ein.
Vorstand
| Präsidentin | Dr. Karen Koch |
Vize- Präsident | Dr. Manuel Fasko |
| Kassier | Lukas Hilgert |
| Revision | Nadja Heller, Michael O'Leary |
| Beirat | Prof. Dr. Emil Angehrn, Prof. Dr. Gunnar Hindrichs, Prof. Dr. Angelika Krebs, Dr. Wolfram Gobsch, Prof. Dr. Brigitte Hilmer, Prof. Dr. Katrin Meyer, Mario Schärli, Dominik Renner |
| Sekretariat | Simone Chambers |
Pablo Pulgar Moya
Dieser Beitrag untersucht den Begriff der Öffentlichkeit als institutionelle Vermittlung zwischen bürgerlicher Gesellschaft und Staat im Rahmen einer vergleichenden Lektüre von Hegel und Marx. Ausgehend von Hegels Konzeption der Öffentlichkeit in den Grundlinien der Philosophie des Rechts wird analysiert, inwiefern die öffentliche Sphäre als vermittelnde Instanz zwischen besonderen Interessen und politischer Allgemeinheit fungiert und welche Spannungen ihrem institutionellen Status innewohnen. Die frühe Auseinandersetzung von Marx mit diesem begrifflichen Rahmen erlaubt eine entscheidende Verschiebung des hegelschen Modells, insofern die Öffentlichkeit in die bürgerliche Gesellschaft verlagert und mit der Problematik politischer Selbstorganisation und sozialer Repräsentation verknüpft wird. Ziel des Beitrags ist es, die öffentliche Sphäre als einen privilegierten Ort sichtbar zu machen, an dem sowohl Kontinuitäten als auch Brüche zwischen Hegel und Marx im Hinblick auf das Verhältnis von Gesellschaft und Staat deutlich werden.
In diesem Beitrag wird gezeigt, dass
Durch die Rekonstruktion dieses begrifflichen Verlaufs leistet der Beitrag einen Beitrag zu einem kritischen Verständnis der Öffentlichkeit als einer historisch spezifischen Form institutioneller Vermittlung, die in der hegelschen Problematik des Verhältnisses von bürgerlicher Gesellschaft und Staat wurzelt und von Marx im Rahmen seiner frühen Kritik der politischen Abstraktion weitergeführt wird, anstatt als normativ selbstgenügsamer Raum politischer Rationalität verstanden zu werden
Giacomo Croci
Was heißt es, von „Philosophie in der Öffentlichkeit“ zu sprechen? Philosophie erscheint dabei häufig entweder als wissenschaftliche Reflexion – nicht zuletzt in ihrem eigenen Selbstverständnis –, als bloßer Meinungsbeitrag oder als Quelle von Suggestion und Machtlegitimierung durch kulturellen Elitismus. Der Vortrag schlägt eine andere Perspektive vor: Philosophie als eine spezifische Technologie der Öffentlichkeit.
Öffentlichkeit wird dabei als eine institutionell und sprachlich geprägte Praxiswelt begriffen, in der Werte gesetzt, stabilisiert und verändert werden. Ausgehend von der These, dass öffentliche Entscheidungsprozesse wesentlich diskursiv organisiert sind, rekonstruiert der Vortrag Öffentlichkeit als ein Geflecht von Institutionen, Erwartungsstrukturen und Wertrelationen. In diesem Zusammenhang erscheint Sprache nicht bloß als Medium der Kommunikation, sondern als zentrale Komponente sozialer Koordination.
Ziel des Vortrags ist es, das Verhältnis von Philosophie und Öffentlichkeit jenseits einfacher Forderungen nach „Relevanz“ neu zu denken und die Rolle der Philosophie anders zu bestimmen: nicht als bloße Kommentatorin öffentlicher Debatten, sondern als Justierung von und Intervention in Wertordnungen. Philosophie wird so als eine Art Technologie verstanden: als Arbeit an den Institutionen, Erwartungsstrukturen und Wertrelationen, die Öffentlichkeit überhaupt ausmachen.
Gottfried Schweiger
Man könnte meinen, öffentliche Philosophie ist sowohl Philosophieren für die Öffentlichkeit als auch Philosophieren über für die Öffentlichkeit besonders relevante Fragen. Beide Aufgaben kommen zusammen, wenn wir darüber nachdenken, wieso und weshalb Millionen junger Frauen begeistert Romane über Dominanz, sexuelle Gewalt, Stalking und Unterwerfung lesen. Dark Romance als popkulturelles Massenphänomen. Was verrät uns das über gesellschaftliche Vorstellungen von Geschlecht, Begehren und Macht? Wie reproduziert und gleichzeitig unterläuft Dark Romance patriarchale Muster – indem es sexuelle Unterwerfung und misogyne Gewalt nicht nur darstellt (und positive konnotiert), sondern vielleicht Räume eröffnet, in denen über sexuelle Fantasien, Consent und Gewalt gesprochen werden kann. Öffentliche Philosophie darf dort ansetzen, wo ihre Themen in der Lebenswelt und deren kulturellen Spiegelung auftauchen, wie eben in den exzessiven Darstellungen toxischer Liebesbeziehungen, die so viele junge Frauen heute faszinieren.
Bettina Bussmann
Ausgehend von Timothy Williamsons Verständnis, „the aim of popular philosophy is to communicate recent research in academic philosophy to a wider audience“, möchte dieser Vortrag zeigen, dass ein solch eng gefasstes Modell von Public Philosophy grundlegende Probleme erzeugt. Ein reiner Wissenstransfer akademischer Forschung in die breite Öffentlichkeit genügt nicht den Anforderungen öffentlicher Aufklärung im kantischen Sinne - und diesen Auftrag sollte sie ebenfalls haben. Eine weitere Gefahr eines solchen Verständnisses von Public Philosophy besteht in der Objektivierung des Publikums: Wenn Zuschauer:innen lediglich als Empfänger:innen vorgefertigter Inhalte auftreten, bleiben sie bloße Rezipient:innen philosophischer Autorität und sind nur sehr selten Teil des denkenden Diskurses. Medienformate, in denen Expert:innen vor einem anonymen Publikum dozieren oder Fragen aus einer Position epistemischer Überlegenheit beantworten, verstärken diese Asymmetrie. Sie erzeugen die Illusion philosophischer Öffentlichkeit, ohne tatsächlich gemeinsames Philosophieren zu ermöglichen. Hier kann die Philosophiedidaktik einen wichtigen Beitrag leisten: Sie entwickelt Methoden des philosophischen Lehrens und Lernens und klärt, welchen Beitrag das Philosophieren zur Allgemeinbildung und Demokratieförderung leisten kann. Dabei liegt ihr Fokus längst nicht nur in der Lehrkräfte Ausbildung für den regulären Schulunterricht, sondern ebenfalls im Philosophieren mit Kindern, der Berufsschulausbildung und der Erwachsenenbildung. Der Vortrag möchte zeigen, welche Ansätze, Modelle und methodischen Werkzeuge die Philosophiedidaktik bereitstellt, um Public Philosophy zu erweitern und als eine Bezugsdisziplin anzuerkennen.

Philosophisches Seminar
Philosophische Gesellschaft Basel
Steinengraben 5
4051 Basel
Tel: 061 207 27 03
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